Mobil und rückbaubar
Die „Red Bull Energy Station USA“ ist für mehr als 200 Auf- und Abbauzyklen konzipiert – und bietet bei jedem Einsatz dieselbe Optik, Funktionalität und Stabilität wie am ersten Tag. Das in Holzbauweise errichtete Gebäude hat eine Nutzfläche von 788 m² und setzt für den schnellen Umzug auf Knapp-Verbinder.
Die „Energy Stations“ sind „Re-Use“-Bauwerke, die sich mehrfach an verschiedenen Standorten auf- und abbauen lassen. Die mobile Struktur dient den Red Bull Formel 1 Teams als Basisstation bei den US-Rennen
Foto: Red Bull Content Pool
Die von Holzbau Saurer gebaute, mobile Gebäudestruktur dient den Red Bull Formel 1 Teams „Red Bull Racing“ und „Racing Bulls“ als Basisstation bei den US-Rennen. Neben Marketing- und Besprechungsbereichen beherbergt das Gebäude ein großes Bewirtungszentrum. Für diese Einsatzzwecke entwickelte das Planungsbüro Claudio Hatz GmbH eine architektonische und konstruktive Gebäudehülle in moderner Holzskelettbauweise mit einem 20,2 m langen, 13,4 m breiten und 11 m hohen Stützen-Träger-System. Das für die Konstruktion gewählte Achsraster von 2,33 m basiert auf den Raumzellen des Innenausbaus. Die vorgefertigten, mit weiß lasiertem Sichtholz verkleideten und ausgestatteten Raumzellen werden einfach in den vorbereiteten Rohbau eingesetzt und mit einem Treppenlift für den barrierefreien Zugang ergänzt.
Schnell lösbare Verbinder
Alle Knotenpunkte sind so konzipiert, dass sich das Gebäude einfach und schnell montieren und demontieren lässt
Foto: KPZT Kurt Pock
Die Hauptknoten des Gebäudetragwerks wurden eigens für dieses Projekt konzipiert. Die Knoten der Nebenträger sowie die Fassadenelemente wurden so gestaltet, dass sie sich mit wenigen Handgriffen montieren lassen. „Um das möglich zu machen, haben wir im Vorfeld intensiv das Marktangebot an Verbindern geprüft – und letztlich jene gewählt, die sich am einfachsten wieder lösen lassen“, erinnert sich Tragwerksplaner Kurt Pock, Geschäftsführer der KPZT Kurt Pock, der die statische Berechnung des Projekts übernahm. Zum Einsatz kamen spezielle Knapp-Verbinder, die eine einfache, schnelle und sichere Montage ermöglichen und dank ausreichender Einbautoleranzen auch eine flexible Standortanpassung erlauben. Insgesamt wurden 100 Garnituren „Ricon S 290/80 VS“, 270 Garnituren „Walco V80“, 28 Garnituren „Ricon S 200/80 VS“ und 25 Garnituren „Walco V89“ mit Langloch verbaut – zur Verbindung von Holz mit Holz bzw. Holz mit Stahl sowie zur Montage der Fassadenelemente. Im aufgebauten Zustand verdeckt eine Verkleidung mit schwarzen Bürsten die technisch markanten Verbinderdetails – für die Gäste der „Red Bull Energy Station“ bleiben diese somit vollständig unsichtbar.
Auf- und Abbau in kurzer Zeit
Jedes Bauteil des Holzskeletts – ob Stütze, Binder oder Balken – kann in nur fünf Minuten entladen, positioniert und montiert werden. So ist die gesamte Struktur in nur 2,5 Tagen einsatzbereit. Der Aufbau erfolgt wahlweise direkt auf dem Boden mithilfe hydraulisch regulierbarer Schwerlastzylinder, die Höhenunterschiede ausgleichen, oder auf einer vorab errichteten Tribüne. Sobald die Basisplattform justiert ist, wobei die Horizontalkräfte bei der Montage über Kettenspanner auf die Basis abgeleitet werden, folgt die Montage des Bodens, der Stützen, der Haupt- und der Nebenträger. Parallel dazu heben mobile Kräne die Raumzellen ins Gebäudeinnere. Zum Schluss werden Wand- und Fassadenelemente angebracht – und das Rennen kann beginnen.
Sämtliche Verbinder wurden bereits im Werk montiert. Nach dem Transport auf die Baustelle können die passgenauen Bauteile binnen kürzester Zeit montiert und nach dem Ende der jeweiligen Veranstaltung wieder demontiert werden
Foto: KPZT Kurt Pock
Das US-Gebäude ist bereits die dritte „Red Bull Energy Station“ aus Holz, die ersten beiden Einheiten touren von Rennen zu Rennen durch Europa. Für Tragwerksplaner Kurt Pock sind die „Energy Stations“ ein Vorbild für zukunftsfähigen Holzbau: „Sie sind echte Re-Use-Bauwerke, also Bauten, die sich mehrfach an verschiedenen Standorten auf- und abbauen lassen – ohne Qualitätsverlust. Viele Ansätze des Gesamtprojekts können und werden von uns unter anderen Rahmenbedingungen auch auf andere Holzbauprojekte umgelegt.“
Christine Ryll ist freie Journalistin, Fachredakteurin und Inhaberin des Kommunikationsbüros Rylltext in München.
Bautafel (Auswahl)
Bauherr Red Bull GmbH, Fuschl am See (AT),
Planung Claudio Hatz GmbH, Salzburg (AT),
Tragwerksplanung KPZT Kurt Pock, Klagenfurt (AT), www.kurtpock.at
Holzbau Holzbau Saurer GmbH & Co KG, Höfen (AT), www.holzbau-saurer.at
Verbinder Knapp GmbH, Euratsfeld (AT), Vaterstetten (DE), www.knapp-verbinder.com
