Hybrid-Flachs-Pavillon mit Glasfassade in Wangen
Tragwerk aus robotisch gewickelten Flachsfasern und gefrästen HolzbauelementenEin Pavillon aus nachhaltigen und regionalen Materialien galt als Hingucker der Landesgartenschau 2024 in Wangen im Allgäu. Zwei Jahre später wird er nach wie vor als beliebte Veranstaltungslocation genutzt. Mit dem auch als „Argen Pavillon“ bekannten Hybrid-Flachs-Pavillon entstand auf dem ehemaligen Landesgartenschau-Gelände in Wangen ein Forschungsbau, der innovative Tragwerksplanung, nachhaltige Materialwahl und digitale Fertigung vereint. Sein experimentelles Tragwerk besteht aus robotisch gewickelten Flachsfasern und präzise gefrästen Holzbauelementen. Neben der ungewöhnlichen Bauweise gilt die Glasfassade als architektonisches Highlight des Bauwerks.
Der Hybrid-Flachs-Pavillon befindet sich in den Schaugärten der ehemaligen Landesgartenschau in Wangen. Er zeichnet sich durch sein wellenförmiges Dach und die umlaufende Glasfassade aus
Foto: Isolar
Die verglaste Gebäudehülle wurde von der Firma Glas Natter aus Regensburg vorgefertigt, die für die Herstellung, die Lieferung und den Einbau des Vogel- und Sonnenschutzglases zuständig war. Der 380 m² große, ringförmige Pavillon ist vollständig von der Glasfassade eingefasst. Diese transparente Hülle bildet das ruhige Pendant zur dynamischen Dachgeometrie und schafft eine markante räumliche Inszenierung zwischen Klimagarten sowie der angrenzenden Flusslandschaft.
Digitale Planung und Vorfertigung
Der Pavillon in Wangen ist Teil neuer Entwicklungen im biobasierten Leichtbau. Die Universität Stuttgart und ihre Partner aus Materialforschung, Holzbau und Robotik nutzten für den Entwurf eine integrative, computerbasierte Planungsmethode, die es erlaubte, sämtliche Fachdisziplinen frühzeitig in den Prozess einzubinden. So konnten die komplexen Geometrien des Tragwerks ebenso präzise entwickelt werden wie die Anschlussdetails der Fassade. „Die digitale Arbeitsweise hat die gesamte Abstimmung erheblich erleichtert“, beschreibt Barbara Bosse, Geschäftsführerin von Glas Natter, die Planungsphase. „Effizienz, Schnelligkeit und eine klare Datenbasis prägten die Zusammenarbeit. Genau diese Voraussetzungen haben wir gebraucht, um die Fassadenelemente genau auf das hochkomplexe Dachsystem abzustimmen.“
Die Glasfassade vereint Sonnen- und Vogelschutz mit hoher Energieeffizienz
Foto: Isolar
Für den Pavillon lieferte Glas Natter Spezialgläser, die mehrere Funktionen erfüllen: Zum Einsatz kamen „Solarlux A 71“-Gläser mit Sonnenschutz in Kombination mit dem Vogelschutz „Ornilux mikado“. Neben dem Schutz der Vogelwelt sorgt die Glasfassade für einen zuverlässigen Sonnenschutz, der die sommerliche Wärmelast minimiert und gleichzeitig eine helle Innenraumatmosphäre ermöglicht. Energetische und klimatische Vorgaben spielten ebenfalls eine maßgebliche Rolle. „Die Anforderungen an Energieeffizienz, Lärm und Wärmeschutz lagen auf einem hohen Niveau und konnten mit dem gewählten System erfüllt werden“, so Barbara Bosse. Wolfgang Forster, der Pächter des Pavillons, ergänzt: „Wir betreiben den Pavillon jetzt seit genau einem Jahr und konnten in allen Jahreszeiten Veranstaltungen anbieten. Sowohl in Sachen Raumtemperatur als auch Ästhetik haben wir ausschließlich positive Rückmeldungen bekommen.“
