Holz, Stroh und Lehm vereint

Vorgefertigte Holzrahmenwände mit Strohdämmung, eine vertikale Douglasienfassade und trocken eingehängte Lehm-Deckensteine prägen ein Einfamilienhaus in Schwerin. Das Projekt zeigt, wie sich moderne Vorfertigungsprozesse im Holzbau mit natürlichen Baustoffen verbinden lassen.

In innerstädtischer Hinterhoflage entstand neben einer ehemaligen Autowerkstatt in Schwerin ein zweigeschossiges Einfamilienhaus mit 105 m² Wohnfläche. Geplant wurde der Neubau von Architekt Daniel Böpple, die Holzbauarbeiten und die Vorfertigung der Wandelemente übernahm die Halm GmbH. Die Konstruktion kombiniert Holz, Stroh und Lehm. Während Außenwände und Dach weitgehend im Werk vorbereitet wurden, bringt der Lehm im Innenraum zusätzliche Speichermasse in den Holzbau. Die verwendeten Lehmbaustoffe stammen vom Hersteller Conluto. In Schwerin entstand in Hinterhoflage neben einer ehemaligen Autowerkstatt ein zweigeschossiges Einfamilienhaus. Die Baustoffe Holz, Stroh und Lehm spielten dabei eine große Rolle. Die teilweise gewölbten Außenwände wurden mit Douglasienholz verkleidet
Foto: Fridolin Full

In Schwerin entstand in Hinterhoflage neben einer ehemaligen Autowerkstatt ein zweigeschossiges Einfamilienhaus. Die Baustoffe Holz, Stroh und Lehm spielten dabei eine große Rolle. Die teilweise gewölbten Außenwände wurden mit Douglasienholz verkleidet
Foto: Fridolin Full

Holzrahmenwände mit Strohdämmung vorgefertigt

Eine Besonderheit waren die teilweise gewölbten Außenwände, die mit Stroh gedämmt und Lehm verputzt wurden
Foto: Architekt Daniel Böpple

Eine Besonderheit waren die teilweise gewölbten Außenwände, die mit Stroh gedämmt und Lehm verputzt wurden
Foto: Architekt Daniel Böpple
Die Außenwände basieren auf Holzrahmenelementen aus 6 × 26 cm starken Hölzern mit einem Achsabstand von 80 cm. Dieses Raster wurde auf das Format der Strohballendämmung abgestimmt. Dadurch ließen sich die Ballen ohne aufwendiges Zuschneiden direkt in die Gefache einsetzen. Gefertigt wurden die großformatigen Wandelemente auf einem Montagetisch bei der Firma Halm. Zunächst richteten die Zimmerer Schwellen, Rähme und Ständer aus und verbanden diese zu Holzrahmen. Anschließend wurden die Gefache vollständig mit Stroh ausgefüllt – die Dämmung war damit bereits Bestandteil des fertigen Wandelements. Das erleichterte die spätere Montage auf der Baustelle erheblich: Die rund 50 cm starken Außenwände kamen gedämmt nach Schwerin. Das Füllen der Gefache auf der Baustelle und Dämmarbeiten in größerer Höhe entfielen. Nach dem Transport auf die Baustelle wurden die Elemente direkt mit dem Kran an ihre vorgesehene Position gehoben. Auf der Innenseite erhielten die Holzrahmenwände später einen etwa 3 cm dicken Lehmputz von Conluto.

Nach zwei Werktagen standen die Holzrahmenwände

Die Montage folgte der Geschossaufteilung des Gebäudes: Nach der Fertigstellung der Bodenplatte wurden zunächst die vorgefertigten Erdgeschosswände gestellt, ausgerichtet, miteinander verbunden und befestigt. Darauf folgte die Holzbalkendecke. Anschließend hob der Kran die ebenfalls im Werk vorgefertigten Außenwände des Obergeschosses auf die Decke. Den oberen Abschluss bilden vorgefertigte CLT-Deckenelemente, auf denen die Aufdachdämmung und anschließend eine PVC-Dachabdichtungsbahn vom Typ „Wolfin M“ verlegt wurden. Die Vorfertigung verkürzte die Arbeiten unter freiem Himmel deutlich: Innerhalb von zwei Werktagen waren die Holzrahmenwände aufgerichtet. Nachdem die Gebäudehülle und das Dach weitgehend geschlossen waren, folgten die Fenstermontage, der Innenausbau und Fassadenarbeiten. Den oberen Abschluss des Gebäudes bilden vorgefertigte CLT-Elemente, die per Kran eingehoben wurden. Darüber folgten eine Aufdachdämmung und eine PVC-Dachbahn
Foto: Architekt Daniel Böpple

Den oberen Abschluss des Gebäudes bilden vorgefertigte CLT-Elemente, die per Kran eingehoben wurden. Darüber folgten eine Aufdachdämmung und eine PVC-Dachbahn
Foto: Architekt Daniel Böpple

Douglasienholzfassade folgt den Rundungen

Für die äußere Wandverkleidung wurde Douglasienholz gewählt. Eine Besonderheit waren die teilweise gewölbten Außenwände, weshalb die Fassadenverkleidung vertikal statt horizontal ausgeführt wurde. Zum Einsatz kamen 10 cm breite Douglasienbretter aus einem lokalen Sägewerk in Lübesse. Der Dachdeckerbetrieb Bastian Brosowski montierte diese als negative Boden-Deckel-Schalung mit Schrauben auf der Unterkonstruktion der hinterlüfteten Fassade. Gerade an den gekrümmten Wandbereichen spielte die schmale, vertikale Verkleidung ihre Stärken aus: Jedes Brett lässt sich einzeln ausrichten und der jeweiligen Geometrie der Wand folgend befestigen. So zeichnet die Fassade die Rundungen nach, statt sie durch großformatige Verkleidungen zu überformen. Nach der Montage wurde die Douglasienholzoberfläche mit einer „Versilberungslasur“ von Kreidezeit behandelt. Der silbergrau lasierende Anstrich unterstützt eine optisch gleichmäßige Vergrauung des Holzes bei unterschiedlich stark bewitterten Fassadenflächen.

Lehm-Deckensteine zwischen Holzbalken eingefügt

Die Steine sind 50 cm breit, 20 cm lang und 14 cm hoch, ein Stein wiegt rund 24,6 kg. Entscheidend ist der trapezförmige Querschnitt
Foto: Conluto

Die Steine sind 50 cm breit, 20 cm lang und 14 cm hoch, ein Stein wiegt rund 24,6 kg. Entscheidend ist der trapezförmige Querschnitt
Foto: Conluto
Ein handwerklich besonders interessanter Aufbau findet sich in der Geschossdecke: Zwischen die Holzbalken wurden Lehm-Deckensteine von Conluto trocken eingehängt. Diese sind 50 cm breit, 20 cm lang und 14 cm hoch, ein Stein wiegt rund 24,6 kg. Entscheidend für die Montage ist der trapezförmige Querschnitt der Steine: Die Holzbalken erhalten passend dazu an den Auflagerflächen eine Schräge von etwa 5 Grad. Vor dem Einsetzen wird zwischen Lehmstein und Holzbalken ein Filzstreifen angeordnet. Dieser entkoppelt beide Baustoffe und reduziert die Übertragung von Schwingungen. Anschließend wird der Stein von oben zwischen die Balken eingelegt. Die schrägen Flanken liegen auf den vorbereiteten Auflagerflächen auf; die konische Form sorgt für zusätzlichen Halt. Ein Verkleben oder Vermörteln ist für die Montage nicht erforderlich. Wichtig ist die Höhenlage: Die Oberkante der Lehm-Deckensteine sollte sich mindestens 1 cm unterhalb der Oberkante der Holzbalken befinden. Damit bleiben die Steine lastfrei vom darüberliegenden Fußbodenaufbau. In Randbereichen können die Steine bei Bedarf längs zugeschnitten werden, um verbleibende schmalere Felder zu schließen.

Zwischen die Holzbalken der Decke wurden Lehm-Deckensteine eingehängt. Die schrägen Flanken liegen auf den vorbereiteten Auflagerflächen auf; die konische Form sorgt für zusätzlichen Halt. Ein Verkleben oder Vermörteln der Lehmsteine war für die Montage nicht erforderlich
Foto: Architekt Daniel Böpple

Zwischen die Holzbalken der Decke wurden Lehm-Deckensteine eingehängt. Die schrägen Flanken liegen auf den vorbereiteten Auflagerflächen auf; die konische Form sorgt für zusätzlichen Halt. Ein Verkleben oder Vermörteln der Lehmsteine war für die Montage nicht erforderlich
Foto: Architekt Daniel Böpple
Beim Schweriner Haus bleiben die Holzbalken und die geschabte Unterseite der Lehmsteine sichtbar, die Konstruktion bildet damit die fertige Deckenuntersicht. Projektbezogen wurden verbleibende Fugen mit Lehmschlämme geschlossen. Oberhalb der Lehm-Deckensteine folgt eine etwa 10 cm starke Blähtonschüttung. Darauf wurden 20 mm dicke „ESB“-Platten verlegt. Den Fußbodenabschluss bilden Eichendielen auf einer 3 mm starken Korkmatte. Die Lehmdecke bringt dabei Masse in die ansonsten leichte Holzkonstruktion. Der Baustoff Lehm kann Wärme aufnehmen und zeitversetzt wieder abgeben. Gleichzeitig kann die offenporige Oberfläche Feuchtigkeit aus der Raumluft aufnehmen und bei veränderten Bedingungen wieder abgeben. Auch der Lehmputz an den Außenwänden nutzt diese Materialeigenschaften.

Montieren statt dauerhaft verbinden

Neben der Materialwahl spielte die spätere Trennbarkeit der Konstruktion beim Bau des Hauses in Schwerin eine wichtige Rolle. Wo konstruktiv möglich, wurde auf dauerhaft verklebte Verbindungen verzichtet. Die Holzfassade ist geschraubt, die Lehm-Deckensteine wurden trocken eingehängt und auch das Stroh bleibt als Baustoff innerhalb der Holzrahmen erhalten. Damit lassen sich Materialien bei einem späteren Rückbau leichter voneinander trennen, erneut verwenden oder sortenrein verwerten. Gerade die Deckensteine machen dieses Prinzip unmittelbar sichtbar: Was ohne Kleber und Mörtel montiert wird, kann grundsätzlich auch wieder ausgebaut werden. Die Holzbalken und die Unterseite der Lehmsteine bleiben im fertigen Zustand sichtbar. Verbleibende Fugen wurden mit Lehmschlämme verschlossen
Foto: Fridolin Full

Die Holzbalken und die Unterseite der Lehmsteine bleiben im fertigen Zustand sichtbar. Verbleibende Fugen wurden mit Lehmschlämme verschlossen
Foto: Fridolin Full

Das Haus in Schwerin verbindet damit präzise Vorfertigung mit dem Einsatz von Strohdämmung und Lehmbaustoffen. Nach der für das Projekt zugrunde gelegten Berechnung bindet das Gebäude rund 5 t CO2. Dabei zeigt die Ausführung, dass Holzrahmen-, Stroh- und Lehmbau keine getrennten Systeme sein müssen. Richtig aufeinander abgestimmt, ergänzen sie sich vom Montagetisch bis zur fertigen Oberfläche.

Autoren

Daniel Böpple ist freischaffender Architekt aus Schwerin mit dem Schwerpunkt auf ressourcenschonenden und materialgerechten Neubauten, Umbauten und Sanierungen im Bestand. Krystian Manthey arbeitet im Marketing der Firma Conluto in Blomberg.

Bautafel (Auswahl) 

Architektur Daniel Böpple, Schwerin

Holzbau und Vorfertigung Halm GmbH, Hohenmocker

Lehmbaustoffe Conluto, Blomberg

Douglasienbretter Lewitz Holz, Lübesse

Fassadenarbeiten Dachdeckerei Bastian Brosowski, Banzkow

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