Die beflammte Fassade aus Fichtenholz ist resistent gegen Pilze, Schädlinge und Feuchtigkeit

Liebe Leserin, lieber Leser, der Ölpreis ist seit längerem im Keller und schon gibt es reflexartige Reaktionen: „Energetische Sanierungen sind rückläufig“, schrieb kürzlich die Süddeutsche Zeitung und zitierte die Baustoffhersteller Knauf und Sto. Sobald sich energetische Sanierungen nicht mehr in (schnellem) barem Geld für die Eigenheimbesitzer oder Investoren niederschlagen, reagieren diese anscheinend zurückhaltend mit Auftragsvergaben.

Trotzdem hat die Branche genug zu tun und wir haben in der aktuellen Ausgabe der dach+holzbau jede Menge Beispiele für energetische Sanierungen für Sie. Da wäre eine Schule in Berlin, die in­­nerhalb von nur vier Monaten mit einer vor­gefertigten Fassade aus gedämmten Holzrahmenelementen auf einen energetisch aktuellen Standard gebracht wurde. Zudem wurde die Waldorfschule durch das sogenannte TES-Sy-stem, bei dem die neue Fassade vor die alte „gehängt“ wird, optisch aufgewertet. Das TES-Sy-stem, das im Beitrag ab Seite 49 vorgestellt wird, entstand in Zusammenarbeit der Technischen Universität München mit Forschungsinstituten in Finnland und Norwegen. Der Vorteil: Bei einer gleichbleibend hohen Qualität kann ein verlässlicher Kosten- und Zeitrahmen eingehalten werden. Eine gute Möglichkeit, gerade öffentliche Bauten zu einem festgelegten Zeitpunkt zu sanieren, und die Kosten im Blick zu behalten.

Für die Holzforschung engagierten sich auch der Zimmerer Daniel Schaible und der Architekt Klaus Günter. Beim Bau des neuen Pfarramtsgebäudes in Altensteig im Nordschwarzwald planten sie eine Fassadenschalung mit verkohlten Fichtenbrettern (siehe Beitrag ab Seite 39). In Japan und Skandinavien wird diese Methode schon seit Jahrhunderten verwendet und auch bei uns wurden früher Zaunpfähle, um sie zu schützen, angekohlt, bevor man sie in die Erde rammte. Eine solche Behandlung macht das Holz resistenter gegen Schädlinge, Pilze und Feuchtigkeit. Zunächst experimentierten die Holzbau-Spezialisten mit Handflammgeräten, doch für die Menge an Material für die 330 m2-Fassadenfläche, musste eine rationelle Fertigungsmethode her. Zu der Experimentierphase zählte so auch der Bau einer Vorrichtung, mit der Zimmermann Schaible die Fassadenschalbretter so beflammte, dass er eine gleichmäßig tief verkohlte Oberfläche erhielt.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Das Haus mit einer vorbildlich ökologisch gedämmten Gebäudehülle hat nun auch noch eine Fassade bekommen, die nicht unregelmäßig vergraut (so wie bei anderen umweltfreundlichen Lösungen), sondern von Beginn an (ökologisch) schwarz verkohlt ist. Der einzige Wermutstropfen: Zu Details der Methode hüllen sich der Zimmerer und der Architekt in Schweigen: schade eigentlich. In Zeiten von „open source“ und Wissensteilung à la Wikipedia hätten wir uns gefreut, mehr über die Vorrichtung zu erfahren. Vielleicht ein anderes Mal, wenn wir womöglich das Gerät in unserer Rubrik „Erfinder im Handwerk“ vorstellen dürfen.

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Sommer und noch viele interessante Sanierungsaufträge in diesem Jahr!

Die beflammte Fassade aus Fichtenholz ist resistent gegen Pilze, Schädlinge und Feuchtigkeit

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