Der Taupunkt-Falle entkommen

Niederländischer Outdoor-Spezialist setzt am Hauptsitz auf „Natur-Klimadecken“

Der niederländische Outdoor-Experte Bever ermöglicht es mit seinen Produkten, auch bei Wind und Wetter im Freien aktiv zu sein. Beim Neubau des Hauptsitzes samt Vertriebszentrum in Pijnacker (Südholland) hat das Unternehmen jetzt gezeigt, dass es auch Wert auf Wohlbefinden im Büro legt: Der ganze Verwaltungsbereich ist auf 1270 m2 Fläche mit „Natur-Klimadecken“ von Argillatherm ausgestattet worden. Mit diesen lassen sich große Räume nicht nur heizen, sondern im Sommer auch von oben kühlen. Dabei lösen sie die Taupunktproblematik – eine der größten physikalischen Herausforderungen bei der Flächenkühlung – ohne zentrale Lüftungsanlage und Taupunktüberwachung. Die Argillatherm GmbH mit Sitz in Göttingen ist ein Joint Venture aus Industrieunternehmen und dem Land Niedersachsen. Das Unternehmen entwickelt und produziert modulare Systeme zur Gebäudeklimatisierung.

Hohe Luftfeuchtigkeit als ­Herausforderung

Flaechenkuehlung-ohne-Taupunktproblem-2.jpg Die „Natur-Klimadecken“ lösen die Taupunktproblematik bei der Flächenkühlung, ohne zentrale Lüftungsanlage und Taupunktüberwachung
Foto: Evabloem

Die „Natur-Klimadecken“ lösen die Taupunktproblematik bei der Flächenkühlung, ohne zentrale Lüftungsanlage und Taupunktüberwachung
Foto: Evabloem
Im Objektbau sind Klimadecken seit den 2000er-Jahren Stand der Technik. Doch dabei stellt sich immer wieder dieselbe Frage: Wie lässt sich beim Kühlen verhindern, dass die Luftfeuchtigkeit im Raum ansteigt und diese sich an der kühlen Deckenoberfläche niederschlägt? Eine Möglichkeit ist es, die zugeführte Frischluft zunächst mittels Lüftungsanlage zu entfeuchten. Der Energieaufwand für diese „Vortrocknung“ ist aber genauso groß wie das eigentliche Kühlen. Als Alternative bietet sich eine Taupunkt-Überwachung an. Sie schaltet die Kühlung bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 70 Prozent ab. Das führt aber paradoxerweise dazu, dass die Klimadecke gerade an besonders heißen Tagen nicht in Betrieb ist.

Deckenmodule nehmen Feuchtigkeit auf

Die Humid-Module wurden an der Decke verschraubt Die „Humid-Module“ wurden an der Decke verschraubt. Die nötigen Aussparungen sowie weitere Befestigungspunkte wurden vorab bei der Montage berücksichtigt
Foto: Argillatherm

Die „Humid-Module“ wurden an der Decke verschraubt. Die nötigen Aussparungen sowie weitere Befestigungspunkte wurden vorab bei der Montage berücksichtigt
Foto: Argillatherm
Bei der „Natur-Klimadecke“ ist das anders: Die „Humid-Module“ von Argillatherm bestehen vor allem aus polaren Tonmineralen. Sie können deswegen pro Quadratmeter über 2 Liter Wasser aufnehmen, ohne selbst zu überfeuchten, und es kann nicht zu Quellungen, Schwindungen oder Rissen kommen. Für den Luftaustausch reicht eine dezentrale Lüftung völlig aus – oder einfach das Stoßlüften über die Fenster.

„Im Fall von Bever stellte uns die Deckenarchitektur allerdings vor besondere Aufgaben“, sagt Axel Lange, Geschäftsführer von Argillatherm. Denn für die Holzrippen-Konstruktion in Wabenform waren die herkömmlichen quadratischen „Humid-Module“ nicht geeignet. „Wir haben deswegen alle Felder einzeln mit CAD geplant, um den Holzbau mit den nötigen Infos zu Aussparungen in den Balken zu versorgen“, sagt Lange. Tatsächlich gelang es so, alle Felder mit „Humid-Modulen“ auszustatten sowie alle Rohrleitungen für die ­Heiz-Kühl-Funktion kupplungsfrei zu verlegen und an den Heizkreislauf ­anzuschließen.

Beschichtung mit Lehmputz

Beim Einbau erwiesen sich die Module als unkompliziert, sie wurden einfach an der Decke verschraubt. Die dazu nötigen ­Aussparungen sowie weitere Befestigungspunkte wurden bei der Montage berücksichtigt. Abschließend wurde ein Universal-Lehmputz aufgebracht, der auf Wunsch des Bauherrn nicht gestrichen wurde, um die natürliche Lehmoptik zu erhalten. Auch im Hinblick auf die spätere Entsorgung passen die „Humid-Module“ zum nachhaltigen Konzept des Outdoor-Spezialisten: Da die Platten nur aus Naturprodukten bestehen, können sie später einfach gemahlen und neu verpresst werden.

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