Aufsparrendämmung für Betonsteildach

Dachsanierung mit Sonderstatik und Bauder-Dachsystem

Um neuen Wohnraum zu schaffen, wurden die Gebäude der ehemaligen Heeresbäckerei in Leipzig saniert. Das steil geneigte Dach eines der Häuser mit zahlreichen Gauben war dabei eine Herausforderung. Eine Sonderlösung mit Schubhölzern ermöglichte die sichere Montage des neuen Dachaufbaus.

Im Leipziger Norden entsteht im Rahmen eines Sanierungs- und Neubauprojekts auf 36 450 m² Fläche eines ehemaligen Kasernengeländes neuer Wohnraum. Dabei werden auch die Gebäude der ehemaligen Heeresbäckerei saniert, die zwischen 1895 und 1897 erbaut wurden. Die Heeresbäckerei, das spätere VEB Backwarenkombinat Leipzig, war ursprünglich eine Spezialbäckerei für die Truppen der Sowjetarmee und bestand aus mehreren Gebäuden. Eines davon, das Haus Nr. 3 in der Fehmarner Straße, hat ein massives, sehr steiles Dach mit vielen Türmchen, unzähligen Gauben und langen Gaubenreihen. Dieses Dach zu sanieren, war eine große Herausforderung für die Planer und Dachdecker. Die denkmalgerechte Sanierung leitete die Instone Real Estate. In Leipzig hat das Unternehmen bisher rund 5500 Wohnungen fertiggestellt und erhielt bereits mehrfach den Hieronymus-Lotter-Preis für die vorbildliche Sanierung denkmalgeschützter Objekte in Leipzig. Im Spätsommer 2017 begannen die Bauarbeiten an dem Gebäude der ehemaligen Heeresbäckerei im Leipziger Stadtteil Gohlis-Nord. Das Steildach des Gebäudes sollte eine neue Dämmung und Eindeckung erhalten.

Die Dachdeckerei Thomas Elsner GmbH & Co. KG aus Grimma und Bauder-Fachberater Jörg Büngener wurden dabei bereits früh in die Planung einbezogen. Als größte Herausforderung bei der Sanierung stellte sich die statische Befestigung des neuen Dachaufbaus auf dem steilen Satteldach mit vielen Gauben heraus. Die Dachdecker, Statiker und  Bauder-Fachberater Jörg Büngener überlegten gemeinsam, wie die statische Lastabtragung im Traufbereich und in der Fläche um­gesetzt werden könnte. Neben rein statischen Überlegungen galt es auch, den Wärmeschutz sicherzustellen. Mit der gefundenen Lösung nahm Fachberater Jörg Büngener entsprechende Änderungen in der Ausschreibung vor. Dachdeckermeister Thomas Elsner erstellte ein Angebot über die Sanierungsarbeiten.

Lasten über Gauben und an der Traufe abfangen

„Die Dachform ist ein echter Hingucker, aber auch eine besondere Herausforderung“, sagt Jörg Büngener, „das Dach mit seinen Neigungen von 47,5° im Hauptdach und 75,2° im Mansardbereich war nicht nur eine Herausforderung für die Dacharbeiten. Hier wirken auch unglaubliche Kräfte.“ Die vielen Gauben erschwerten die Befestigung des neuen Dachaufbaus, sodass die Lasten über den Gauben und im Traufbereich abgefangen werden mussten.

Marode Dachziegel und Dachlatten entfernt

Dank seiner bauphysikalischen Eigenschaften schützt ein Betondach gut vor Außenlärm. Gemeinsam mit einer Aufdachdämmung bleiben Sommerhitze und winterliche Kälte draußen. Für das Dach mit seinem hohem Schwierigkeitsgrad wählten die Beteiligten einen Systemaufbau mit einer kaltselbstklebenden Trennlage auf der Betonunterkonstruktion und 120 mm dicken PIR-Wärmedämmplatten. Außerdem wurden 60 mm dicke Dämmelemente („Bauder PIR FA TE“) im Bereich der Schubsicherung eingesetzt.

Im Juni 2018 begann das Dachdeckerteam von Thomas Elsner mit den Abrissarbeiten auf dem Dach. Die maroden Dachziegel und Dachlatten mussten zunächst entfernt werden, ebenso die vielen Pflanzbewüchse. Denn die Natur hatte mit der Rückeroberung der Dachflächen längst begonnen. Um Staub zu binden und vor allem für eine gute Haftung der nachfolgenden Bitumenbahnen zu sorgen, wurde das 120 mm dicke und 1500 m² große Betondach nach gründlicher Reinigung mit einem Bitumenvoranstrich versehen.

Kaltselbstklebebahnen als Trennlage

Mit dem Bitumenvoranstrich bereiteten die Dachdecker die Dachflächen für die Verlegung der Kaltselbstklebebahnen „BauderTec KSA“ vor. Diese dienen hier als Trennlage zwischen dem Beton und der später verlegten Wärmedämmung. Die Kaltselbstklebebahnen schützen außerdem die als Dampfsperre dienende ­Alukaschierung der Dämmplatten vor alkalischen Einflüssen aus der Betonunterkonstruktion. „Wir arbeiten sehr gerne mit diesen Bahnen“, sagt Thomas Elsner, „auf dem steilen Dach ließen sich die dünnen Kaltselbstklebebahnen in den warmen Sommermonaten ohne Anwärmen der Klebemasse mit dem Brenner verlegen.“

Die Bahnen wurden dabei vom First bis zur Traufe ausgerollt, ausgerichtet und nach dem Abziehen der unterseitigen Folien mit dem Untergrund verklebt. Durch die starke Klebekraft der Kaltselbstklebemasse waren die Verbindungen der Bahnen in der Fläche und im Naht- und Stoßbereich sofort dicht. Anschlüsse und Details wurden von den Handwerkern sauber eingebunden.

Gewicht der Bedachung, Schnee- und Windlasten

Als nächstes sollten „BauderPIR SF“ (WLS 023)-Dämmplatten auf dem Dach verlegt werden. „Das Gewicht der Bedachung und die Schnee- und Windlasten mussten statisch abgetragen werden, sowohl gegen Abrutschen als auch gegen Windsog“, beschreibt Jörg Büngener die Herausforderung bei der Dachsanierung. Enorme Kräfte wirken auf das Dach, das über den Gauben eine Dachneigung von 47,5° und darunter eine extreme Dachneigung von 75,2° hat. Viele einzelne Gauben und eine lange Fledermausgaube trennen statisch gesehen horizontal die Dachfläche und erschweren zusätzlich die Lastabtragung. Daher nutzte man hier eine Lösung von Bauder für Steildächer in Massivbauweise, bei der keine dicken Traufbohlen eingesetzt werden. Die Dämmplatten werden stattdessen mit der Konterlattung direkt über spezielle „PIR-Systemschrauben“ in überdämmte Schubhölzer verankert. Für das Objekt   musste eine Sonderstatik über und unter den Gaubenreihen berechnet werden. In beiden Bereichen galt es, eine sichere statische Lastabtragung der anfallenden Lasten herzustellen (Bedachungsgewicht, Schnee- und Windlasten).

Das Ergebnis sind dünne Schubhölzer mit den Maßen 6x12x120 cm, die in Traufe-Firstrichtung im Abstand von 60 cm mit Schraubankern in der Betonunterkonstruktion befestigt wurden. Anschließend wurde der Bereich zwischen und auf den Schubhölzern mit PIR-Dämmplatten in 60 mm Dicke gedämmt/überdämmt, um keine Wärmebrücken zu erhalten.

Leichtes Material und einfache Verlegung

Über den Schubhölzern wurden „BauderPIR SF“-Dämmplatten in 120 mm Dicke verlegt. Dabei fügte das Dachdeckerteam Platte an Platte mit dem umlaufenden Nut-und-Federsystem der Dämmplatten aneinander. Nach dem Verkleben der oberseitigen, 10 cm breiten, selbstklebenden Horizontal- und Vertikalüberlappungen war die gedämmte Fläche regensicher und winddicht. Das aufgedruckte 10 cm-Raster erleichterte den Zuschnitt an Anschlüssen und Details, außerdem ist die oberseitige Bahn rutschfest.

Der Dachdeckerbetrieb von Thomas Elsner bringt Erfahrung aus über 20 Jahren im Denkmalschutz und in der Verlegung von Aufsparrendämmungen mit. „Wir arbeiten schon lange mit Bauder-Dämmstoffen in der Aufsparrendämmung und im Flachdach“, sagt Dachdeckermeister und Geschäftsführer Thomas Elsner. Die Mitarbeiter des Betriebs haben außerdem an speziellen TÜV-zertifizierten Schulungen von Bauder teilgenommen und sind seit 2018 zertifizierter Bauder-Partner.

Nach der Verlegung von zwei bis drei Dämmstoffreihen befestigten die Dachdecker die Wärmedämmung mit der Konterlattung. Die Lattung wurde in der Fläche mit Kunststoff-Rahmendübeln in der Betonunterkonstruktion befestigt. Hierfür musste jedes einzelne Loch im Beton vorgebohrt werden. „Das war kein Problem, solange wir in Beton bohrten, aber extrem schwierig, wenn wir auf Bewehrungsstahl stießen“, sagt Thomas Elsner. Im Traufbereich wurden die Konterlatten durch die Dämmung mit „Bauder PIR Systemschrauben“ in den Schubhölzern verschraubt.

Alle Fugen, die beim Anpassen der Dämmelemente, bei Durchbrüchen und Anschlüssen entstanden, wurden mit PU-Montageschaum ausgeschäumt und mit selbstklebenden „BauderTEC PMK“-Streifen oberseitig abgeklebt. Da im Traufbereich ein Einschnitt mit waagerechtem Deckenteil vorhanden war, wurde hier eine Unterkonstruktion aus Holz, im Prinzip ein kleiner Dachstuhl mit Sparren, Pfetten und Pfosten, erstellt. In dieser Holzunterkonstruktion wurden nach Verlegung der Dämmelemente die Konterlatten mit befestigt. Danach konnten die Dachlatten befestigt und die neuen Biberschwanzziegel verlegt werden.

„Auch in meinen 23 Jahren als Fachberater ist ein so markantes, steiles Dach aus Beton eine Seltenheit und eine Herausforderung in der Planung und Verarbeitung“, so Jörg Büngener. Für die schwierige Arbeit der Dachdecker waren langjährige Erfahrung und leichtes Material wichtig. Das Ergebnis der Sanierung belohnt die Leistung: Hinter der alten Klinkerfassade des Haus drei der ehemaligen Heeresbäckerei entstand moderner Wohnraum in begehrter Lage. Die Wohnungen in dem Gebäude wurden 2019 fertiggestellt.

Autor

Ekkehard Fritz ist Leiter des Fachbereichs Steildach bei der Firma Bauder in Stuttgart.

„Das Vorbohren war kein Problem, solange wir in Beton bohrten, aber extrem schwierig, wenn wir auf Bewehrungsstahl stießen.“

Bautafel (Auswahl)

Projekt Sanierung, Dämmung und Neudeckung des Haus 3 der ehemaligen Heeresbäckerei, Fehmarner Straße 12-14, Leipzig

Bauherr Instone Real Estate, www.instone.de

Bauzeit 2017-2019

Ausführungsplanung Architektur ND, Dipl-Ing. (FH) Architektin Nadine Dumjahn, 04103 Leipzig,

www.architektur-nd.de

Entwurf Homuth+Partner Architekten, 04277 Leipzig, https://homuth-architekten.de

Dachdecker Thomas Elsner GmbH & Co. KG, 04668 Grimma, www.te-daecher.de

Dachaufbau Bitumenvoranstrich, Kaltselbstklebebahnen „BauderTec KSA“, Dämmung „Bauder PIR FA TE“ in 60 mm Dicke und „Bauder PIR SF“ in 120 mm Dicke, alle Produkte: Paul Bauder GmbH & Co. KG, 70499 Stuttgart, www.bauder.de

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