Das Gründach als Reservebank
Das neue Vereinsgebäude des SSC Donaueschingen gilt als eindrucksvolles Beispiel für eine zirkuläre Regenwasserbewirtschaftung. Das 240 m² große Retentions-Gründach ist dabei wichtiger Bestandteil des Konzepts zur Speicherung, Nutzung und Verdunstung von Wasser und fördert die Biodiversität.
Dachflächen können eine entscheidende Rolle im Wassermanagement eines Gebäudes spielen, sofern sie als Wasserrückhaltevolumen genutzt und in Wasserkreisläufe eingebunden werden. Ein aktuelles Beispiel dafür ist das neue Vereinsgebäude des Schellenberg Sportclubs (SSC) Donaueschingen. Dieses liegt am Sportzentrum Haberfeld in einem renaturierten Gebiet am Ursprung der Donau. Der Neubau mit einer dezentralen Regenwasserbewirtschaftung zielt auf eine Wasserhaushaltsbilanz wie im natürlichen Gelände vor der Bebauung ab. Das bedeutet an diesem Standort gemäß dem Hydrologischen Atlas von Deutschland (HAD) 49 Prozent Verdunstung, 32 Prozent Oberflächenabfluss und 19 Prozent Grundwasserneubildung durch Versickerung.
Zirkuläre Regenwasserbewirtschaftung
Die Futterpflanzen der Pflanzenmischung „Bienenweide“ blühen zeitlich versetzt vom Frühjahr bis in den späten Herbst
Foto: Mall
Das Regenwasser wird auf dem Retentions-Gründach des Vereinsgebäudes mit einem Speichervolumen von 19,2 m³ gespeichert. Ein etwaiger Überschuss wird in eine mit Filtertechnik ausgestattete Zisterne im Untergrund mit einem Speichervolumen von 7,6 m³ geleitet. Diese Zisterne ist mit einer nachgeschalteten Versickerungsrigole mit einem Speichervolumen von 7,2 m³ verbunden, welche den Grundwasserspiegel speist. Die Versickerung findet nicht nur durch die unterirdischen Sickerkammern der Rigole statt, sondern auch an der Grundstücksoberfläche, da 650 m² Fläche vor dem Gebäude wasserdurchlässig befestigt sind und Regenwasser über die Fugen abfließen kann. Das in der Zisterne gespeicherte Regenwasser wird für die WC-Spülung des Vereinsheims verwendet, um Trinkwasser zu sparen. Außerdem dient es der Bewässerung des Gründaches und begünstigt damit dessen hohe Verdunstungsrate. Weil die Pflanzen kontinuierlich Feuchtigkeit in die Atmosphäre verdunsten, wird der lokale Wasserkreislauf und so die regionale Niederschlagsbildung unterstützt. Die Bewässerung und der Wasserabfluss aus dem Retentions-Gründach werden über eine automatische Steuerung geregelt, die aktuelle Wetterdaten einbezieht.
Aufbau des Retentions-Gründaches
Die „Retentions-Spacer RS 60“ des Zinco-Systemaufbaus „Retentions-Gründach“ speichern bis zu 55 l/m² Wasser
Foto: Rolf Wetzel
Der Zinco-Systemaufbau „Retentions-Gründach“ auf dem Vereinsheim beginnt auf einer wurzelfesten Kunststoffabdichtungsbahn mit der „Schutz- und Speichermatte SSM 45“. Darauf schließen sich die etwa 1 m x 2,25 m großen und 60 mm hohen „Retentions-Spacer RS 60“ an, die sich gut für den Einsatz unter Extensivbegrünungen eignen. Sie ermöglichen eine zusätzliche Wasserspeicherung von annähernd 55 l/m² im Begrünungsaufbau. Auf diese Retentionsschicht folgt das diffusionsoffene „Aquafleece AF 300“ inklusive Tropfschläuchen im Abstand von 50 cm. Das zweischichtige „Aquafleece“ ist aufgrund seines unterseitigen Gewebes in der Lage, Wasser zuerst in der Fläche zu verteilen und nur durchtropfen zu lassen, wenn das oberseitige, hochkapillarwirksame Vlies wassergesättigt ist. Diese Art der Unterflurbewässerung, gespeist über die Zisterne, zeichnet sich durch einen deutlich geringeren Wasserverbrauch im Vergleich zu einer herkömmlichen Zusatzbewässerung aus, da das Wasser direkt im Wurzelraum zur Verfügung steht.
Die Tropfschläuche liegen im Abstand von 50 cm auf dem „Aquafleece AF 300“ und verlaufen über die Rasterelemente „Fallnet SR“ für die Absturzsicherung
Foto: Zinco
Über dem „Aquafleece“ wurden auch die Rasterelemente „Fallnet SR“ für die spätere Absturzsicherung bei Wartungsarbeiten auf dem Dach verlegt. Die folgenden mindestens 10 cm Substrat dienen der Fixierung der „Fallnet SR“-Elemente und sind die Basis für die gewünschte Zinco-Pflanzenmischung „Bienenweide“, die ein vielseitiges sowie im Jahresverlauf lang anhaltendes Nektar- und Pollenangebot bietet. Die mehr als 35 Arten umfassende Begrünung blüht vom zeitigen Frühjahr bis in den späten Herbst.
Das Dach war im Vorhinein auf die zu erwartenden Lasten durch den Dachaufbau sowie die Wasser- und Schneelast auszulegen, was bei Neubauten allerdings generell kein Problem darstellt.
Fazit
Der Neubau fokussiert eine Wasserhaushaltsbilanz wie vor der Bebauung
Foto: Mall
Das Retentions-Gründach, die Zisterne und Rigole des Neubaus in Donaueschingen dienen – unter Steuerung der Hauswasserstation – der Wasserspeicherung, Nutzung, Verdunstung und Versickerung. Dank dieser technischen Ausstattung des Vereinsgebäudes des SSC Donaueschingen ist ein nachhaltiger Umgang mit der Ressource Wasser möglich und eine Wasserbilanz zu erzielen, die dem Zustand des Geländes vor der Bebauung entspricht. So trägt die Dachbegrünung einen Teil zum Schutz vor Hochwasser, zur Verbesserung des Kleinklimas, zum Bautenschutz und zur Artenvielfalt bei.
Sandra Schöll ist Diplom-Wirtschaftsingenieurin und arbeitet in der Pressestelle der Zinco GmbH in Nürtingen.
