Wohnhaus komplett in weiß gehüllt

Monolith aus „HI-MACS“-Material mit interessanten Details zur Entwässerung

Die Fassade und das Dach eines Hauses im südkoreanischen Sokcho wurden mit dem Werkstoff „Hi-Macs Alpine White“ verkleidet, ein Acrylmaterial mit fester Oberfläche, das in jede beliebige Form ­gebracht werden kann. Das Ergebnis ist eine glatte, porenfreie und fugenlose Oberfläche.

Der in Korea geborene Architekt Woojin Lim hat in Frankreich studiert und ist Partner des Studios AEV Architectures. Seit über 20 Jahren arbeitet er in Paris. Er träumte aber immer davon, in seinem Heimatland ein Haus zu bauen, das, so Woojin „mit der Umgebung eine Symbiose eingeht und mit der Natur in einen Dialog tritt“.

Mit einem Wohnhaus im südkoreanischen Sokcho setzte er seinen Traum in die Realität um. Alle Außenflächen des Hauses ließ der Architekt mit „Hi-Macs Alpine White“-Platten verkleiden – einem Material mit einer festen Oberfläche, das in jede beliebige Form gebracht werden kann. Es besteht aus Acryl und Aluminiumhydroxid. Je nach Farbton wird das Material mit einem kleinen Anteil Farbpigmenten versetzt. Aus dieser Mischung entsteht eine glatte, porenfreie und optisch fugenlose Oberfläche.

Der Architekt entschied sich für das Material für Dach und Fassade, weil er ein Gebäude schaffen wollte, das unverändert weiß bleibt – ohne Anzeichen von Verschleiß im Lauf der Zeit. Neben den Fassaden ist interessanterweise auch das Dach, das in makellosem Weiß erstrahlt, aus dem Material gefertigt. Es wirkt wie ein „lebendes Bild“ und reflektiert die unzähligen Farbschattierungen, die mit dem Verlauf des Tages, der Jahreszeiten, der Farbe des Himmels und der Umgebungshelligkeit variieren.

Komplett weiße Außenhülle

Um dieses Projekt zu verwirklichen und seine Langlebigkeit zu garantieren, wurde das Material „Hi-Macs“ verwendet. Im Allgemeinen bevorzugen Architekten als Oberflächen klassische, pflegeleichte Materialien wie Ziegel oder Stein.

Wird eine weiße Außenhaut verlangt, entscheidet man sich oft für einen weißen Anstrich oder für Platten, die auf das Gebäude aufgebracht werden, damit es leichter zu renovieren ist, wenn Witterungsschäden auftreten. Architekt Woojin Lim stellte sich der Herausforderung und wählte – abweichend vom sonstigen Bestreben der modernen Architektur – eine unkonventionelle Lösung. Er war fasziniert von der Lage des Grundstücks mit Blick auf den Seourak-Berg mit 1708 m Höhe. Inspiriert von der Umgebung entwarf er dieses einzigartige Wohnhaus, das an ein Chalet in den Alpen erinnert.

Steiles Dach mit 60 Grad Neigung

Mit dem „Hi-Macs“-Material (ein sogenanntes Solid-Surface-Material) war es möglich, das Gebäude mit diesem Anspruch so zu verwirklichen, dass sogar das Dach, also der exponierteste Teil, weiß ist – in Korea ein absolutes Novum. Das Material reflektiert das Sonnenlicht, ohne zu blenden. Das Haus gleicht einem Giebel, der auf ein schlichtes Hexaeder gesetzt wurde.

Die gesamte „Hi-Macs“-Hülle ist nicht die eigentliche Gebäudehülle, sondern nur eine vorgesetzte Fassade. Die Dachneigung hat einen Winkel von 60°, der sich schlussendlich aus einigen Experimenten ergab. Untersucht wurde, bei welchem Winkel Schnee, Regen und Schmutz der Oberfläche am wenigsten anhaben können. Das Regenwasser läuft durch die Dachplatten auf die wasserdichte Unterbahn unter den Platten. Das Wasser dringt dann unter die Wandplatten dank einer offenen Verbindung zwischen Dach und Wand (siehe Zeichnungen oben). Das monolithische Aussehen des Gebäudes wird hier durch das Fehlen einer sichtbaren Entwässerung und einer Regenrinne verstärkt. Weil die Hülle des Hauses vom Baukörper getrennt ist, wird das ablaufende Regenwasser vom Dach direkt hinter die vertikale Haut gelenkt und läuft nicht auf der Außenseite ab. Schließlich fließt das Wasser unter dem schwimmend verlegten Terrassenboden und sammelt sich mittels Drainagen und Fallrohren, die durch Wandpaneele verborgen sind, um in der unterirdischen Kanalisation gesammelt zu werden.

Verarbeitung und Montage

Bei diesem Projekt wurde das Material als vorgehängte hinterlüftete Fassade verbaut. Für die Befestigung wurde von den Handwerkern zum Teil mit Steigern auf dem Rohbau eine Aluminium-Unterkonstruktion montiert. Die Fassadentafeln wurden mit einem Abstand von 20 mm zum Dämmmaterial an der Wand befestigt, um für genügend Luftzirkulation zu sorgen.

Die Dämmung brachten die Handwerker zwischen den Aluminium-Profilen ein. Die „Hi-Macs“-Paneele wurden – von außen unsichtbar – mit Hinterschnittankern montiert. Ein weiterer optischer Aspekt: Das große Format der Paneele auf dem Dach (1,5 m x 7 m) verstärkt den monolithischen Charakter und ermöglichte eine Montage ohne horizontale Verbindung auf dem Dach, wo normalerweise tote Blätter und Staub liegen bleiben und die Optik stören würden.

Blendfreie Wand

Ein weiterer wichtiger Faktor bei der Entscheidung für das Material war seine Reaktionsfähigkeit auf Licht. Weil das Material eine optimale Strahlungsabsorption beziehungsweise Lichtreflexion aufweist, reflektiert es Licht blendfrei wie eine klassische Kalkputzwand. Architekt Woojin Lim begründet die Entscheidung für das Material auch mit dem Wasserablauf: „Ablaufendes Regenwasser ist einer der Hauptgründe für unschöne Fassadenveränderungen. Hier löst die nahtlose Montage das Problem, das in anderen Materialien durch vertikale Rillen entsteht: Dort kann Wasser eindringen und die Fassade im Lauf der Zeit beschädigen.“

Einsatz auch im Innenbereich

Auch im Innenbereich – in der Lounge des Hauses – werden mit der Wandverkleidung aus „Hi-Macs“ die Vorzüge des Werkstoffs genutzt: Seine Wechselwirkung mit Licht und seine Lichtdurchlässigkeit verleihen dem Raum eine individuelle und elegante Anmutung. Verarbeitet wird das steinähnliche Material dabei mit normalen Holzbearbeitungswerkzeugen.

Autorin

Mariana Fredes ist Marketing & PR Manager bei der LG Hausys Europe GmbH in Frankfurt.

Bautafel (Auswahl)

Projekt Weißes Wohnhaus in Sokcho, Republik Südkorea

Architektur/Design AEV Architectures, 91420 Morangis, Frankreich, www.aev-architectures.com, (Architekt Woojin Lim)

Bauweise Grundkörper aus Stahlbeton, VHF-Unterkonstruktion aus Aluminium, Dach- und Fassadenplatten aus Acryl mit Hinterschnittankern befestigt

Dach- und Fassadentafeln „Hi-Macs Alpine White” (verwendet als vorgehängte hinterlüftete Fassade), LG Hausys Europe GmbH, 60528 Frankfurt, www.himacs.eu/de

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