Stickoxidabbau auf dem Dach, Solarsysteme und ein Dämmstoff aus Biogas

Rückblick auf die Messe DACH+HOLZ 2020

Rund 52 000 Besucher kamen zur Messe Dach+Holz vom 28.-31.1.2020 nach Stuttgart – diese Zahlen nennt die Gesellschaft für Handwerksmessen (GHM). Dabei kamen rund fünf Prozent mehr Besucher als zur vergangenen Dach+Holz in Köln vor zwei Jahren.

Neue Themen und Sonderflächen

Eine Teststrecke für elektrische und Hybrid-Nutzfahrzeuge, eine Sonderschau zur Digitalisierung, eine Ausstellung von Start-Ups und ein Nachwuchs- und Weiterbildungstag: zusätzlich zu den über 600 Messeständen in sechs Hallen fanden Besucher auf der Messe ein spannendes Rahmenprogramm. Dachdecker und Zimmerer, die als Influencer über soziale Medien bekannt sind, kamen am ersten Messetag zu Vorträgen und Diskussionen mit Messebesuchern in Halle 6 zusammen. Dabei ging es unter anderem um die Aus- und Weiterbildung im Dachdecker- und Zimmererhandwerk und den Einsatz von sozialen Medien. Zu Gast waren unter anderem das DachPro-Team, Nerdy Timber, Carpenter Flo und die Macher der Plattformen Dachdecker- und Zimmerer-Treffpunkt. Das DachPro-Team wurde auf der Messe außerdem mit dem Creaton-Influencer-Award ausgezeichnet, der mit 3000 € Preisgeld dotiert ist.

Luftreinigende Dachziegel

Die Luftbelastung mit Stickoxiden ist in vielen Städten immer noch ein Thema. In einigen Städten drohen Fahrverbote aufgrund zu hoher Stickoxidwerte. In anderen Städten sind teilweise Fahrverbote schon umgesetzt, im Stuttgarter Stadtgebiet gibt es schon seit 2019 ein Fahrverbot für Euro-4-Diesel und ältere Dieselfahrzeuge. Auf der Messe Dach+Holz in Stuttgart zeigten daher mehrere Aussteller photokatalytisch aktive Baustoffe, die Stickoxide binden und in andere Stoffe umwandeln können. Diese Beschichtungen sind zwar nicht ganz neu, haben sich allerdings im Markt noch nicht durchgesetzt. Am Stand von Erlus gab es beispielsweise den Tondachziegel „Erlus Lotus Air“ auf einer großen Musterdachfläche zu sehen. Der Ziegel ist mit einer Titandioxid-Beschichtung versehen und wenn Licht, Luft und Feuchtigkeit mit dem Titandioxid reagieren, werden Stickoxide gebunden und zu Nitrat umgewandelt. Der Regen spült das Nitrat über die Dachentwässerung in die Kanalisation. Ein 160 m² großes Dach, dass mit den „Erlus Lotus Air“-Dachziegeln eingedeckt ist, soll dabei in jeder Sonnenstunde 464 mg Stickoxide umwandeln können. Die Titandioxidpartikel sind laut Hersteller dauerhaft im Dachziegel gebunden und können nicht ausgewaschen werden. Das ist wichtig, denn Titandioxid steht im Verdacht, krebserregend zu sein, wenn der Stoff eingeatmet wird. Diese Einteilung wurde im Jahr 2017 von der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) veröffentlicht. Eine Bewertung der gesundheitlichen Risiken durch die Exposition gegenüber Titandioxid aus Dachziegeln gibt es laut Umweltbundesamt jedoch nicht. Mehr Informationen zum „Erlus Lotus Air“ finden Sie hier: https://www.erlus.com/lotus.

Bitumenbahn baut Stickoxide ab

Die neue Bitumen-Oberlagsbahn „BauderKarat Air+“ von Bauder hat ebenfalls eine Titandioxid-Beschichtung, die Stickoxide in Nitrat-Ionen umwandeln soll. Damit das Nitrat vom Regen abgewaschen wird, sollten die Bahnen mit einem Mindestgefälle von zwei Prozent verlegt werden. Andere Hersteller haben solche Bitumen-Oberlagsbahnen schon länger im Programm, etwa Icopal mit der „Eco-Activ“. Mehr Informationen zu der Bitumenbahn finden Sie hier: https://www.icopal.de/assets/files/pdf/ezb/ezb_eco-activ-therm.pdf

PU-Dämmstoffhersteller zeigt Dämmplatte aus Biogas

Bauder zeigte auf der Dach+Holz eine weitere Neuheit: eine Dämmplatte für die Aufsparrendämmung, die zu 70 Prozent aus Biomasse besteht. Für die Produktion der Dämmplatte wird laut Hersteller Biogas aus der Landwirtschaft eingesetzt. Auf der Ober- und Unterseite ist die Dämmplatte mit einem Muschelkalkvlies kaschiert, dazu kommt einer Spezialbahn als wasserführende Ebene. Die Wärmeleitfähigkeit der Dämmplatte wird von Bauder mit 0,024-0,025 W/mK angegeben, die Dämmplatte ist normal entflammbar (Baustoffklasse E). Lieferbar sind die neuen Dämmplatten „BauderEco S“ in Dicken von 80-160 mm ab April 2020. Mehr Informationen zur neuen Dämmplatte finden Sie hier: www.baudereco.de.

Solardächer – Anlagen ins Dach integriert

Creaton hingegen zeigte auf der Messe eine Photovoltaik-Anlage zur Indach-Montage, die durch den Dachhandwerker montiert werden kann. Jedes der PV-Module hat dabei einen Wechselrichter auf der Rückseite, die Verkabelung soll so laut Hersteller leicht von der Hand gehen. Den Anschluss der Anlage im Haus muss allerdings der Elektriker durchführen. Für die Montage der Anlage muss vom Dachdecker ein Schienensystem als Unterkonstruktion erstellt werden. Einige Testdächer hat Creaton schon mit den Indach-PV-Anlagen ausgerüstet, dieses Jahr sollen weitere folgen. Der bundesweite Verkauf des Systems hat mit der Dach+Holz in Stuttgart begonnen. Für Dachhandwerker will Creaton spezielle Schulungen zum Einbau anbieten. Hier erfahren Sie mehr über die Indach-PV-Anlage www.creaton.de/photovoltaik-indach-anlage.

Weitere Informationen zu den Unternehmen
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