Sargdeckelkonstruktion mit PIR-Dämmung

Das Betondach eines Hauses in München erhielt eine Dämmung aus 200 mm dicken PIR-Dämmplatten. Um Schub- und Windsogkräfte abzuleiten, war eine besondere Konstruktion mit Schubhölzern nötig. Die wärmebrückenfreie, statische Befestigung des Dachaufbaus war dabei die größte Herausforderung.

In einer der begehrtesten Münchner Wohnlagen, der Leopoldstraße, steht das Wohn- und Geschäftshaus „L53“. Das Gebäude mit eleganten Läden und Büroetagen schließt mit einer luxuriösen Dachwohnung unter dem Steildach ab. Die Massivbauweise des Daches aus Beton, eine so genannte Sargdeckelkonstruktion, bietet hohen Schall- und Brandschutz und eine hohe Tragfähigkeit. Das Dach erhielt eine wärmebrückenfreie Aufsparrendämmung mit PIR-Dämmstoff. Eine großzügige Dachterrasse ergänzt den Lebensraum nach draußen, die anschließenden Gründächer  sollen das Klima nachhaltig verbesserm. Bei dem Gebäude „L53“ kamen für alle Steil- und Flachdachbereiche Bauder-Dachsysteme zum Einsatz.

PIR-Dämmung für den „Sargdeckel“

Ein Betonsteildach werde auch als „Sargdeckelkonstruktion“ bezeichnet, erklärt Bauder-Fachberater Christopher Breitsameter. „So unpassend hier der Name klingt, so hervorragend lässt sich ein Steildach dieser Art mit einer Aufsparrendämmung aus PU- oder PIR-Hartschaumplatten ohne Beeinträchtigung des Innenraums dämmen. Dieser Wärmeschutz führt zu hoher Wohnqualität“, sagt  Christopher Breitsameter. Zur Dämmung des Steildachs wurde eine Dämmhaube aus 200 mm dicken „BauderPIR Plus“-Dämmplatten (WLS 023) erstellt, um die hohen Anforderungen der EnEV zu übertreffen und die Vorgaben des Bauherrn zu erfüllen. Die Münchner Fink Dachtechnik GmbH führte alle Dacharbeiten aus.

Kaltselbstklebende Bitumenbahnen auf Beton

Als Abdichtungs- und Trennlage kam auf den gereinigten und mit dem Voranstrich „Burkolit V“ für die bessere Haftung der Bitumenbahnen vorbehandelten Betonflächen die vollflächig kaltselbstklebende Elastomerbitumenbahn „BauderTEC KSA“ zum Einsatz. Die Bahnen wurden ausgerollt, ausgerichtet und nach dem Abziehen der unterseitigen Folie mit dem Untergrund verklebt. Die starke Klebekraft der Kaltselbstklebemasse sorgt dabei für eine sichere Verbindung mit dem Untergrund. Da die Temperaturen zur Bauzeit für eine kaltselbstklebende Bitumenbahn zu niedrig waren, wurden die Längsnähte der Bahnen zusätzlich verschweißt. Die als Abdichtungs- und Trennlage im Dachpaket wirkende Bahn wurde außerdem an alle durchdringenden Teile luftdicht angeschlossen. Luftdichtheit war damit erreicht, jetzt ging es darum, die folgende Aufsparrendämmung mit den 200 mm dicken „BauderPIR“-Wärmedämmelementen zu verlegen.

Sichere Dämmung gemäß Bauder-Statik

Da ein Betondach wärmedämmtechnisch nicht besonders gute Werte aufweist, war die wärmebrückenfreie, statische Befestigung des Dachaufbaus eine große Herausforderung. Die „BauderPIR“-Dämmplatten sind sehr leicht, doch eine Aufsparrendämmung mit 200 mm dicken Dämmplatten auf ­einem Dach von 40 Grad Neigung bedarf einer besonderen Konstruktion im Traufbereich, um die Schubkräfte aufzunehmen und abzuleiten. Zudem erforderte die Firsthöhe von 25 m eine Sonderstatik wegen stärkeren Windlastaufkommens über 20 m Gebäudehöhe. Deshalb verankerten die Dachdecker vertikal zur Traufe ein leistungsfähiges Widerlager im Beton: Im Abstand von 70 cm befestigten sie Schubhölzer (100 x 60 mm) im Dach. Über die mittels Schwerlastankern befestigten Schubhölzer werden die Schubkräfte in den Beton übertragen. Jedes Schubholz wurde an mindestens zwei Punkten im Dach befestigt. Mit einem Holzbohrer (Forstnerbohrer) bohrten die Handwerker die Schraublöcher in den Schubhölzern vor, dann bohrten sie sie mit einem Holzbohrer komplett durch. In die mit dem Forstnerbohrer erstellten Mulden schlugen die Dachdecker einseitig gezahnte „Bulldog“-Scheibendübel C2 ein. Dann legten die Dachhandwerker Schubölzer genau an, bohrten die Bohrlöcher im Beton vor und montierten die Schubhölzer im Abstand von 70 cm mit M16-Ankerbolzen. Diese schlugen sie mit dem Hammer ein und drehten sie mit dem Schlagschrauber fest. Wo es möglich war, setzten die Dachdecker dabei auf Akkuwerkzeuge, zum Bohren in Beton aber auf kabelgebundene Geräte. Statisch waren Schubhölzer in 120 cm Länge erforderlich, je nach Dachseite wurden die Schubhölzer aber länger gewählt, um einen Dachüberstand zu erreichen.

Zwei Schichten Dämmung im Traufbereich

Damit die Dämmung im Bereich der Schubhölzer trotzdem wärmebrückenfrei funktioniert, hat Bauder eine Lösung mit zwei Lagen Dämmung im Traufbereich entwickelt. Zwischen den 60 mm hohen Schubhölzern wurden ebenso hohe PIR-Dämmplatten eingepasst. Erst im zweiten Schritt wurde über die Hölzer und die Dämmung mit 140 mm dicken PIR-Dämmplatten auf die endgültige Höhe von 200 mm aufgestockt. So sind die Schubhölzer gut verpackt und Wärmebrücken werden vermieden.

Konterlatten mit Rahmendübeln befestigt

Oberhalb der statischen Konstruktion in Richtung Dachfirst verlegten die Dachdecker 200 mm dicke PIR-Dämmplatten auf dem Betondach. Die Dachdecker fügten Platte an Platte mit dem umlaufenden Nut-und-Federsystem wärmebrückenfrei aneinander. Mit den 1,20 x 1,80 m großen, leichten Elementen füllten sie die Dachflächen zügig. Für den Zuschnitt der PIR-Dämmplatten empfiehlt der Hersteller Bauder den Einsatz eines Fuchsschwanzes, einer akkubetriebenen Säbelsäge oder einer akkubetriebenen Dämmstoffsäge, beispielsweise der „ISC 240“ von Festool. Handkreissägen oder Kettensägen sind hier nicht zu empfehlen, da die Staubbelastung beim Schneiden von PIR-Dämmstoffplatten mit diesen Werkzeugen sehr hoch ist.

Winddicht und regensicher

Die „Bauder PIR Plus“-Dämmplatten sind beidseitig mit Aluminium-Deckschichten versehen. Zusätzlich haben die Dämmplatten an der Oberseite eine Polymerbitumenbahn, die nach der Verklebung aller Nahtstellen eine wasserführende zweite Ebene bildet. Dadurch sind die verlegten Dämmplatten auch bei Feuchtigkeit und Nässe begehbar. ÜberHorizontal- und Vertikalüberlappungen von 10 cm Breite lassen sich die Dämmplatten winddicht und regensicher verkleben.

Schubkräfte werden in Schubhölzer übertragen

Zur statischen Lastabtragung in der Dachfläche befestigten die Dachdecker 320 mm lange Rahmendübel durch die Konterlatten und die Dämmplatten hindurch im Betondach. Die Rahmendübel bestehen aus einer Schraube und dem dazu passenden Dübel. Für die Montage der Dübel wird einfach ein Loch gebohrt, der Rahmendübel eingeschlagen und mit dem Schlagbohrschrauber verschraubt.

Die über die Konterlatte anfallenden Schubkräfte durch Bedachungsgewicht und Schnee werden über „BauderPIR-Systemschrauben“ in die Schubhölzer übertragen. Die Windsogkräfte werden über die Rahmendübel ins Betondach übertragen. Alle für die Lastabtragung der Dämmplatten erforderlichen statischen Berechnungen wie Anzahl, Abstände, Größe und Befestigungsmittel zur Sicherung der Aufsparrendämmung wurden von der Bauder-Anwendungstechnik erstellt.

Anschlüsse und Details sicher erstellt

Alle Fugen, die beim Anpassen der Dämmelemente bei Durchbrüchen und Anschlüssen entstanden, wurden sorgfältig mit PUR-Montageschaum ausgeschäumt und mit selbstklebenden „BauderTEC PMK“-Bitumenstreifen abgeklebt. Damit wurden auch alle Anschlüsse und Details in First- und Kehlbereichen der Wärmedämmung sicher hergestellt. Jeder Kamin, die Dachgauben in Holzständerbauweise und die Dunstrohre wurden so bauphysikalisch dicht angeschlossen. Weiterhin wurden zwischen „BauderPIR Plus“-Wärmedämmelementen und der Konterlattung Nageldichtstreifen verarbeitet. Da Fink Dachtechnik sowohl im Steildach als auch im Flachdach ausschließlich Bauder-Dachsysteme verarbeitet, kennen die Mitarbeiter die Produkte und sind mit der Verarbeitung vertraut. Viele der 32 Facharbeiter haben an den TÜV-zertifizierten Handwerker-Schulungen von Bauder teilgenommen.

Gute Partner für hohe Ansprüche

Bauder-Fachberater  Christopher Breitsameter stand dem Dachdeckerbetrieb Fink Dachtechnik von der Planung bis zur Fertigstellung des Projekts zur Seite. „Als Bauder-Fachberater haben wir den großen Vorteil, materialübergreifend alle Komponenten und Dachsysteme zum Dichten, Dämmen, Begrünen und für die Energiegewinnung aus einer Hand anbieten zu können. Wir haben viel Erfahrung, auch mit schwierigen Dachsituationen, und einen kompetenten Statiker sowie Anwendungstechniker für alle Berechnungen und Lösungen“, erklärt Christopher Breitsameter.

Ein großer Teil davon kam bei den Dacharbeiten in der Leopoldstraße 53 in München zum Einsatz. Auf der Rückseite des Daches ist auf der Höhe der Gauben ein Flachdach in das Steildach eingeschnitten, dass den Wohnraum nach außen erweitert. Das Flachdach, die Terrassen sowie alle genutzten, intensiv oder extensiv begrünten Flachdächer des rückwärtigen Anbaus wurden mit Bauder-Dachsystemen gelöst.

Viel Licht und Ausblick

Sechs Mitarbeiter von Fink Dachtechnik arbeiteten zwei Monate lang über den Münchner Dächern bis alle Arbeiten bis ins Detail fertig und die letzten Ziegel gegen Windsog geklammert waren. So entstand in der innerstädtischen Traumlage ein gelungener Dachaufbau. Dank exakter Planung finden sich nur wenige Durchdringungen wohlgeordnet auf den Dächern. Die hohen Gauben geben der Fassade einen unverwechselbaren Charakter, erlauben einen großzügigen Lichteinfall und einen umwerfenden Ausblick.

Autor

Ekkehard Fritz ist staatlich geprüfter Holztechniker und leitet den Fachbereich Steildach bei der Paul Bauder GmbH & Co. KG in Stuttgart.

Bautafel (Auswahl)

 

Projekt Dämmung und Abdichtung des Betondachs eines innerstädtischen Wohn-, ­Büro- und Geschäftshauses, Leopoldstraße 53, 80802 München

Bauherr Ritter-Unternehmensgruppe, L53 Immobilien GmbH, 81679 München,

www.ritter-projekte.de

Entwurf und Detailplanung Aika Schluchtmann Architekten,

80802 München,

www.aika-schluchtmann.de

Bauleitung und Werkplanung LeitWerk AG, 86159 Augsburg,

www.leitwerk-ag.de

Dacharbeiten Fink Dachtechnik GmbH, 85630 Grasbrunn,

www.fink-dachtechnik.de

 

Herstellerindex (Auswahl)

Abdichtungs- und Trennlage Elastomerbitumenbahn „BauderTEC KSA“ auf Voranstrich „Burkolit V“,  

Dämmung „BauderPIR Plus“ (WLS 023) in 60, 140 und 200 mm Dicke

Anschlüsse & Details „BauderTEC PMK“-Bitumenstreifen, alle genannten Produkte kommen von der Paul Bauder GmbH & Co. KG, 70499 Stuttgart, www.bauder.de

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